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Hähnchen- und Putenhaltung in Deutschland

Hähnchen und Puten werden in Deutschland in Bodenhaltung aufgezogen

Hähnchen und Puten werden in Deutschland von rund 6.500 Geflügelhaltern aufgezogen und gehalten. Die Höfe sind oft schon seit mehreren Generationen in Familienbesitz. Käfige gibt es bei der Aufzucht von Hähnchen und Puten übrigens keine – die Tiere werden  in Deutschland ausschließlich in Bodenhaltung aufgezogen. 

Wie unterscheidet sich die Haltung von Puten und Hähnchen?

Bei Putenställen handelt es sich meistens um sogenannte Offenställe, sie bieten den Tieren frische Luftzufuhr und natürliches Licht. Putenküken sind besonders anspruchsvoll bezüglich des Stallklimas. Und sie brauchen den intensiven Kontakt zu ihren Artgenossen. Da gleichzeitig ein unmittelbarer Zugang zu Wasser und Futter in der Nähe der jungen Puten wichtig ist, teilen die meisten Geflügelhalter den oft mehrere tausend Quadratmeter großen Stall deshalb durch sogenannte Kükenringe auf, die nach einer Woche wieder entfernt werden. Danach erfolgt eine nach Geschlechtern getrennte Haltung. Diese ist notwendig, weil die Hennen bereits nach 16 Wochen ihr Endgewicht von 10 Kilogramm erreicht haben, die Hähne aber noch sechs Wochen länger aufgezogen werden, bis sie ungefähr 20 Kilogramm wiegen.

Hähnchen werden im Gegensatz zu Puten zumeist in geschlossenen Ställen gehalten, wobei Fenster  für Tageslicht und Belüftungsanlagen für frische Luft und ein angenehmes Stallklima sorgen.  Bei Hähnchen ist daneben keine Trennung der Geschlechter notwendig, da die männlichen und weiblichen Tiere im Laufe der Aufzucht ein ähnliches Gewicht erreichen. Je nachdem, ob die Hähnchen als Ganzes oder in Teilstücken vermarktet werden sollen, unterscheidet sich die Dauer der Aufzucht: Bei der kurzen Aufzucht bleiben die Hähnchen ungefähr fünf Wochen im Stall, bis sie ein Gewicht von durchschnittlich 1,5 Kilogramm erreicht haben. Für die Verarbeitung von Teilstücken vorgesehene Hähnchen werden länger aufgezogen und bleiben rund sieben Wochen bis zu einem Gewicht von circa 2,5 Kilogramm im Stall. 

Das bedeutet tiergerechte Haltung

Hähnchen- und Putenställe sind oft mehrere tausend Quadratmeter groß. Auf der gesamten Fläche können sich die Tiere zu jeder Zeit frei bewegen. Wie viel Platz die Tiere haben, orientiert sich an der gesetzlich geregelten Besatzdichte. Diese legt fest, wie viel Kilogramm Lebendgewicht pro Quadratmeter in einem Stall zulässig sind. In der Hähnchenhaltung darf diese Besatzdichte in Deutschland zu keinem Zeitpunkt 39 Kilogramm pro Quadratmeter überschreiten. Wenn das Gewicht der einzelnen Tiere nicht höher als 1.600 Gramm ist, darf die durchschnittliche Besatzdichte sogar nur 35 Kilogramm pro Quadratmeter (im Durchschnitt von 3 aufeinanderfolgenden Aufzuchtdurchgängen) betragen. In anderen EU-Mitgliedsstaaten sind hingegen 42 Kilogramm pro Quadratmeter üblich.

Für die Putenhaltung gibt es keine konkreten Rechtsvorschriften. Daher hat die deutsche Geflügelwirtschaft gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Tierschutz die „Bundeseinheitlichen Eckwerte zur Haltung von Mastputen“ entwickelt. Diese setzen auch die erlaubte maximale Besatzdichte für Puten fest: 45 Kilogramm pro Quadratmeter für Putenhennen und 50 Kilogramm pro Quadratmeter für Putenhähne. Bei verbindlicher Beteiligung an einem sogenannten Gesundheitskontrollprogramm ist eine maximale Besatzdichte von 52 Kilogramm beziehungsweise 58 Kilogramm pro Quadratmeter erlaubt.

Diese maximale Besatzdichte wird sowohl bei Hähnchen als auch bei Puten aber immer erst am Ende der Aufzucht erreicht.

Der zentrale Maßstab für die Geflügelhaltung in Deutschland ist eine tiergerechte Haltung. Diese ist auf jedem landwirtschaftlichen Betrieb, auf dem Hähnchen oder Puten gehalten werden, und auch bei jeder Haltungsform oberste Maxime. Im Mittelpunkt der Haltung steht daher das Wohlbefinden der Tiere, welches der Halter mindestens zwei Mal am Tag bei seinen Rundgängen durch den Stall überprüft. Den Tieren dürfen keine vermeidbaren Schmerzen und Leiden zugefügt werden, sie müssen jederzeit Zugang zu Futter und Wasser haben und sich frei bewegen können. In der Putenhaltung ist zudem festgelegt, dass den Tieren diverses Beschäftigungsmaterial wie zum Beispiel Pickblöcke oder Strohballen sowie erhöhte Sitzgelegenheiten zur Verfügung stehen müssen. Diese verfolgen den Zweck, den Tieren ein natürliches Verhalten zu ermöglichen. Hähnchen können im Stall ebenfalls ihre natürlichen Verhaltensweisen wie Picken, Scharren oder Staubbaden jederzeit ausleben. Dazu dient den Tieren eine lockere und trockene Einstreu, auf die der Halter höchsten Wert legt.

Warum ist gute Einstreu in der Haltung so wichtig?

Nicht nur damit die Tiere ihren natürlichen Verhaltensweisen nachgehen können, sondern vor allem auch für ihre Gesundheit ist eine gute Einstreu einer der Hauptfaktoren für eine tiergerechte Haltung. Denn die richtige Einstreu hält die Fußballen der Tiere trocken und verhindert damit Entzündungen. Während der Haltung ist die Fußballengesundheit ein wesentlicher Indikator zur Beurteilung des Tierwohls bei Hähnchen und Puten. 

Das Ausstallen der Tiere geschieht so schonend wie möglich

Am Ende der Aufzucht werden die Tiere ausgestallt und in spezielle Tiertransporter verladen. Während dieses Vorgangs wird der Stall oft mit blauem Licht beleuchtet. Durch das blaue Licht folgen die Tiere einem natürlichen Impuls und bleiben ruhig sitzen. Auf diese Weise wird unnötiger Stress für die Hähnchen und Puten verhindert. Neben gesetzlichen Regelungen für das Ausstallen und den Transport der Tiere, stellt das unabhängige QS-System für Qualität und Sicherheit zusätzliche Anforderungen an die tierschutzgerechte Ausbildung des Ausstallpersonals: Die Leiter dieses Personals müssen einen tierschutzorientierten Sachkundenachweis vorlegen und weitere Mitarbeiter entsprechend anweisen.

Zudem wird kein Tierbestand zum Transport freigegeben, ohne dass dessen Gesundheit von einem Amtstierarzt vorher festgestellt worden ist. Diese sogenannte Lebendtierbeschau ist Grundvoraussetzung für den Transport und die Verarbeitung des Geflügels. Ist alles in Ordnung, werden die Hähnchen und Puten nach den strengen Vorgaben der deutschen Tierschutztransportverordnung zur Schlachterei gebracht.

STRESSFREIES AUSSTALLEN VON PUTENHENNEN

Als "Ausstallen" bezeichnet man das Verladen der Tiere zum anschließenden Transport vom Mastbetrieb in den Schlachtbetrieb. Unser Film zeigt das Ausstallen von Putenhennen mit Hilfe eines Verladebandes, das die Tiere auf schonende Weise zum Lkw transportiert, ohne zusätzlichen Stress zu erzeugen.

TIERGERECHTE VERLADUNG VON HÄHNCHEN

Nach 42 Tagen und mit einem Gewicht von 2,5 Kilo verlassen die Hähnchen den Aufzuchtbetrieb. Das Verladen erfolgt bei nahezu kompletter Dunkelheit, so wird unnötiger Stress für die Tiere vermieden. Der Geflügelhalter überwacht den gesamten Prozess und sorgt dafür, dass das Geflügel wohlbehalten zum Schlachthof gelangt.

Möchten Sie mehr erfahren? Dann schauen Sie sich doch bei unserem interaktiven Stallrundgang einmal einen Geflügelstall ganz genau an! 

Der interaktive Stallrundgang bietet einen Blick hinter die Kulissen der Geflügelhaltung in Deutschland und beantwortet viele Fragen rund um die Haltung von Hähnchen.

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