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Ausbildung und Sachkunde

Fundierte Ausbildung als Qualitätsversprechen

Die deutsche Geflügelwirtschaft ist durch eine eigenverantwortliche Handlungsweise geprägt, die nach kontinuierlichen Verbesserungen strebt. Basis der stetigen Fortentwicklungen ist die fundierte Ausbildung der Geflügelhalter, die eine wirkungsvolle Verbindung von Traditionsbewusstsein und Innovationsbereitschaft fördert: Grundsätzlich werden junge Menschen über drei klassische Ausbildungswege mit unterschiedlichen Schwerpunkten in die Geflügelwirtschaft geführt und erwerben fachliches, methodisches und akademisches Know-how.

Die Ausbildung zum Tierwirt/zur Tierwirtin dauert drei Jahre. In einem Berufsgrundschuljahr legen die Auszubildenden inhaltliche Schwerpunkte in Agrarwissenschaften und arbeiten begleitend bereits einen Tag pro Woche in einem Betrieb, idealerweise in einem Geflügelbetrieb. Ziel des Berufsgrundschuljahres ist die Verknüpfung der fachpraktischen und fachtheoretischen Grundausbildung mit praktischen Lehrgängen sowie eine berufsfeldübergreifende Allgemeinbildung. Das zweite und dritte Ausbildungsjahr verbringen die Lehrlinge bei einem qualifizierten Ausbilder (i. d. R. einem Geflügelwirtschaftsmeister). Dabei ist es durchaus üblich, dass Lehrlinge häufiger den Betrieb wechseln, um so Einblicke in unterschiedliche Facetten der Geflügelproduktion zu erlangen und fachliche Lücken zu schließen. So kann für jeden Auszubildenden die praktische Lehrzeit individuell angepasst werden.

Ein weiterer Weg für junge Menschen ist die Weiterbildung zum Tierwirtschaftsmeister/zur Tierwirtschaftsmeisterin, beispielsweise für die, die bereits eine Ausbildung zum Tierwirt/zur Tierwirtin absolviert haben. Neben fachpraktischen und fachtheoretischen Inhalten werden hier vor allem kaufmännisch-rechtliche und berufs- und arbeitspädagogische Inhalte vermittelt, die den Auszubildenden wertvolle Kompetenzen etwa in Hinblick auf Betriebsführung vermitteln.

Immer häufiger jedoch kommt der Nachwuchs dieser eigentlich klassischen Ausbildungsberufe auch von den Hochschulen Deutschlands. Studienangebote wie Agrarwissenschaften mit Schwerpunkt Nutztierwissenschaften schaffen forschungsorientierte Ausbildungswege, bei denen die tiergerechte, ressourcen-, umwelt- und klimaschonende Erzeugung tierischer Lebensmittel im Vordergrund steht. Neben einem Einstieg in die Produktion bieten sich Studierenden vielfältige Möglichkeiten zur Arbeit im wissenschaftlichen oder behördlich-administrativen Bereich.

Auch die deutsche Geflügelwirtschaft selbst bietet einen innovativen Ausbildungsweg für junge Menschen an: In einem ganzheitlichen Traineeprogramm wird es jungen Hochschulabsolventen ermöglicht, den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere in der Geflügelwirtschaft zu legen. Die Trainees bekommen Einblicke in alle Stufen der Geflügelfleischerzeugung, wie die Züchtung, die Brütereien oder auch das Marketing. Neben dem theoretischen Teil des Programms sammeln die Trainees im Praxisteil auch umfassende Managementerfahrung, die sie im späteren Berufsleben in besonderem Maße dazu befähigen, an einer der Stationen entlang der Wertschöpfungskette eine Führungsposition zu besetzen. Dies verdeutlicht nicht nur, dass die Geflügelwirtschaft heute ein hochprofessioneller und moderner Wirtschaftszweig ist. Die Branche selbst zeigt sich verantwortlich für die Ausbildung junger Menschen, indem sie gezielt Nachwuchs fördert und beim Einstieg ins Berufsleben unterstützt.

Fundierte Ausbildung als Qualitätsversprechen

Das Fundament für die besondere Leistung der deutschen Geflügelwirtschaft bilden das Fachwissen und die Kompetenz der Erzeuger. Grundvoraussetzung für ihr Handeln ist die sogenannte Sachkundebescheinigung, die in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV), § 17, gesetzlich bestimmt ist: Geflügel darf in Deutschland nur halten, wer im Besitz einer gültigen Bescheinigung der zuständigen Behörde oder der sonst nach Landesrecht beauftragten Stelle über seine Sachkunde ist. Die Sachkundebescheinigung wird von der zuständigen Stelle auf Antrag erteilt, wenn der Antragsteller nachweist, dass er für den Erwerb der Sachkunde einen von der zuständigen Stelle anerkannten Lehrgang besucht hat und dass die Sachkunde im Rahmen einer erfolgreichen Prüfung im Bereich der Kenntnisse und Fähigkeiten (siehe Infobox unten) nachgewiesen worden ist. Die zuständige Behörde führt eine Prüfung der Sachkunde durch einen Tierarzt durch. Die Prüfung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Sie wird im theoretischen Teil schriftlich und mündlich abgelegt. 

Das Beispiel der verpflichtenden Sachkunde-Prüfung in der Masthuhnhaltung verdeutlicht die umfassenden Anforderungen und Prüfungsmechanismen in der Geflügelwirtschaft.

Die notwendigen Kenntnisse liegen auch dann vor, wenn eine adäquate und erfolgreich absolvierte Ausbildung vorliegt, wie zum Beispiel die Ausbilung zum Tierwirt/zur Tierwirtin oder ein entsprechendes Studium. In diesem Fall sieht die zuständige Stelle von einer Prüfung ab.

Die zuständige Stelle kann von einer Prüfung absehen, wenn der Antragsteller Kenntnisse und Fertigkeiten bei der tiergerechten Haltung von Masthühnern nachweist durch

  1. eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung in den Berufen Tierwirt/Tierwirtin, Fachrichtung Geflügelhaltung, oder Landwirt/Landwirtin,
  2. eine bis zum 30. Juni 1999 erfolgreich abgeschlossene Ausbildung im Beruf Hauswirtschafter/Hauswirtschafterin mit dem Schwerpunkt ländliche Hauswirtschaft,
  3. ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium oder Fachhochschulstudium im Bereich der Landwirtschaft oder Tiermedizin,
  4.  den Nachweis, dass er mindestens drei Jahre eigenverantwortlich und ohne tierschutzrechtliche Beanstandung einen Masthühnerbestand mit nicht weniger als 500 Masthühnern gehalten hat oder
  5. eine Bescheinigung, mit der der erfolgreiche Abschluss einer von der zuständigen Behörde als gleichwertig anerkannten Prüfung belegt wird.