Export Wie viel Geflügelfleisch wird nach Afrika verkauft?

„Die Geflügelwirtschaft exportiert Unmengen an billigem Geflügelfleisch nach Afrika und ruiniert dort die Märkte.“ Diese Aussage hört und liest man immer wieder. Aber ist da auch was dran?

Fakt ist: Der Export von Geflügelfleischprodukten in Drittländer spielt für die deutsche Geflügelwirtschaft aktuell eine untergeordnete Rolle.

Die zentralen Absatzmärkte sind Deutschland und die Länder der Europäischen Union. Die vorrangigste Aufgabe der Branche liegt in der Befriedigung der hohen heimischen Nachfrage, die derzeit nur annähernd durch die deutschen Schlachtungen von Geflügel gedeckt werden kann. Gleichwohl nimmt im Zuge der weltweiten Globalisierung der Themenkomplex Export in Drittländer auch für die deutsche Geflügelwirtschaft einen gewissen Stellenwert ein. Zugleich wird aber auch ein nicht unwesentlicher Teil an Geflügelfleisch aus anderen Ländern nach Deutschland importiert – mehr als aus Deutschland in andere Länder exportiert wird.

Wie viel wird exportiert?

Insgesamt lässt sich festhalten, dass nur ein sehr geringer Anteil der deutschen Erzeugung in Drittstaaten exportiert wird: 2017 waren es etwa 51.500 Tonnen Geflügelfleisch (2016: 66.086 Tonnen), was nur knapp 3 Prozent der deutschen Nettoerzeugung (Schlachtungen) entspricht. Davon gingen rund 15.192 Tonnen (2016: 17.063 Tonnen) nach Afrika.

Die deutschen Exporte von Geflügelfleisch nach Südafrika sind in den vergangenen Jahren im Allgemeinen gestiegen: von rund 2.000 Tonnen in 2011 auf rund 19.888 Tonnen in 2014. Dies liegt darin begründet, dass in 2010 mit Südafrika ein amtliches Veterinärzertifikat abgestimmt wurde, welches den Export grundsätzlich ermöglicht. Im Jahr 2015 waren es dagegen aufgrund von Exportbeschränkungen nur 278 Tonnen. 2016 gab es wieder ein Anstieg auf 3.942 Tonnen. Aber: 2017 kamen die Ausfuhren nach Südafrika gänzlich zum Erliegen.

Zum Vergleich: Brasilien lieferte 2017 ganze 344.525 Tonnen (2016: 221.866 Tonnen) allein an Hähnchenfleisch nur nach Südafrika.

Westafrikanische Länder wie Ghana (2017: 2.196 Tonnen; 2016: 2.419 Tonnen) und Benin (2017: 2.738 Tonnen; 2016: 2.555 Tonnen), aber auch Angola (2017: 234 Tonnen; 2016: 129Tonnen) spielen nur eine untergeordnete Rolle was den Export von deutschem Geflügelfleisch angeht.

Zum Vergleich: Brasilien lieferte im Jahr 2017 68.444 Tonnen (2016: 66.263 Tonnen) Hähnchenfleisch nach Angola und 12.257 Tonnen (2016: 14.720 Tonnen) nach Ghana. Für Benin sind keine Zahlen bekannt.

Was wird exportiert?

Auch wenn das immer wieder behauptet wird: Es wird weder minderwertige Ware nach Afrika verkauft, noch die dortigen Märkte durch diese zerstört.

Jede Ware, die in den Verkehr gebracht wird – unabhängig vom Vermarktungsweg – muss nach geltender Rechtslage und mit den amtlichen Kontrollen verzehr- und vermarktungsfähig sein. Der Handel mit Afrika läuft nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage – es gibt keine Exporterstattungen. Die Branche kann einen Wettbewerb also nicht über den Preis führen, sondern nur über die hohe Qualität der deutschen Erzeugung. Andere Wege funktionieren hier nicht: Die deutschen Standards sind weltweit in vielen Bereichen führend, erlauben aber eben keinen auf den Preis begründeten internationalen Wettbewerb.

Auch – entgegen weniger anderslautender Meinungen – exportiert die deutsche Geflügelwirtschaft natürlich keine Geflügelteile in Drittländer, um Entsorgungskosten in Deutschland zu sparen. Ganz im Gegenteil: Die Geflügelwirtschaft ist gerade mit Blick auf die aktuell diskutierte Lebensmittelverschwendung bemüht, alle vom Tier gewonnenen und für den menschlichen Verzehr als uneingeschränkt genießbar eingestuften Produkte zu vermarkten, anstatt die in Deutschland weniger nachgefragten Stücke einfach zu entsorgen. Gerade die in unserer Kultur oft weniger beliebten Teile des Geflügels, wie beispielsweise Flügel, Schenkel, Rücken oder Füße, werden in vielen anderen Ländern sehr gerne gegessen und gelten in anderen Kulturen teilweise sogar als Delikatessen. Infolgedessen werden diese Hähnchenteile von Händlern aus Drittländern in Deutschland eingekauft. Dementsprechend erfolgt der Export von Geflügelfleisch, wenn überhaupt, nach den Kräften des Marktes von Angebot und Nachfrage.