Gute Haltungsnoten Das Tierwohl im Mittelpunkt

Mehrere tausend Geflügelhalter kümmern sich in Deutschland jeden Tag um ihre Hähnchen, Puten und Enten. Ihre Höfe befinden sich häufig schon seit Generationen im Familienbesitz. Ihr wichtigster Maßstab: das Wohlbefinden ihrer Tiere. Das ist die oberste Maxime. Erfahren Sie hier mehr über unser Engagement für eine tiergerechte Haltung von Hähnchen und Puten.

Maßstab: Tierwohl

Wie werden Hähnchen eigentlich gehalten ?

Hähnchen werden in Deutschland niemals in Käfigen, sondern ausschließlich in Bodenhaltung aufgezogen. Bodenhaltung bedeutet, dass die Tiere in weitläufigen, oft über tausend Quadratmeter großen Ställen gehalten werden. In den Ställen können sich die Hähnchen jederzeit frei bewegen – und sie haben stets freien Zugang zu frischem Tränkwasser und altersgerechtem Futter. Der Boden ist mit einer natürlichen Einstreu aus Strohhäckseln oder Hobelspänen bedeckt. Lichtöffnungen und Beleuchtung sorgen für einen natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus.

Hähnchen können im Stall so ihre natürlichen Verhaltensweisen wie Picken, Scharren oder Staubbaden jederzeit ausleben.

Was ist die Besatzdichte?

Wie viele Hähnchen in einem Stall gehalten werden dürfen, richtet sich nicht nach der Anzahl der Tiere, sondern nach dem Gewicht, das die Tiere bis zum Ende der Aufzucht erreichen. Angegeben wird dieser Wert durch die Besatzdichte in der Einheit Kilogramm pro Quadratmeter (kg/m2). In Deutschland gilt dabei mit 39 kg/m2 eine geringere Besatzdichte, als es der EU-Standard mit 42 kg/m2 vorsieht. Wichtig: Die maximal zulässige Besatzdichte wird immer erst gegen Ende der Aufzuchtphase erreicht.

Übrigens: Über 70 Prozent der Hähnchenhalter nehmen am Programm der Brancheninitiative Tierwohl Geflügel (ITW) teil und setzen mit 35 kg/m2 sogar eine noch niedrigere Besatzdichte um.

Geflügelhalterin Ramona Harkers telefoniert mit ihrem HandyWelche Rolle spielen die Halter?

Dass es den Tieren im Stall gut geht, ist für die Hähnchenhalterin oder den Hähnchenhalter das Wichtigste. Mindestens zwei Mal am Tag ist jeder Halter daher bei den Tieren im Stall und kontrolliert die Herde. Er schaut sich dabei Wohlergehen, Erscheinungsbild und Verhalten seiner Tiere ganz genau an. Sollte einmal etwas mit seiner Herde nicht in Ordnung sein, kann er so bei Bedarf jederzeit reagieren. Bei der Arbeit im Hähnchenstall unterstützt den Halter auch moderne Technik: Mit Hilfe eines Computers überprüft er so regelmäßig Luftaustausch, Licht, Temperatur und Futterverbrauch.

Was passiert, wenn die Tiere ihr Schlachtgewicht erreicht haben?

Wenn die Tiere ihr Schlachtgewicht erreicht haben, werden sie ausgestallt und in spezielle Tiertransporter verladen. Dabei wird der Stall oft mit blauem Licht beleuchtet. Das beruhigt die Tiere und vermeidet unnötigen Stress.

Mehr zu Transport und Schlachtung lesen Sie hier.

Wie werden Puten eigentlich gehalten?

Puten werden in Deutschland ausschließlich in Bodenhaltung aufgezogen. In den weitläufigen Ställen können sie sich jederzeit frei über die gesamte Fläche bewegen. Die meisten Putenställe sind Offenställe, die eine großzügige Fensterreihe, direkte Luftzufuhr und Tageslicht bieten. Der Stallboden ist mit einer natürlichen Einstreu,meist aus Stroh, bedeckt. Die Puten haben stets Zugang zu Tränkwasser und Futter. In der Putenhaltung werden sowohl die männlichen als auch die weiblichen Tiere aufgezogen. Da Putenhähne und -hennen aber unterschiedlich schnell wachsen, werden sie getrennt voneinander gehalten – so kann der Halter besser auf die jeweiligen Bedürfnisse der Tiere eingehen.

Warum gibt es Spielzeug im Putenstall?

Weil Puten besonders neugierig und verspielt sind, sorgen die Halter für Abwechslung bei den Beschäftigungsmaterialien. Besonders reizvoll für die Puten: Gegenstände, die sich bewegen und die veränderbar sind. Picksteine oder sich drehende Strohkörben, aber auch Alltagsgegenstände wie eine alte Jeans, erkunden Puten daher besonders gerne.

So gerne sie spielen, so wichtig sind für Puten auch Rückzugsorte. Dabei schafft jeder Putenhalter individuelle Lösungen für seine Tiere – kaum ein Putenstall gleicht dem anderen. Mit Strohballen, erhöhten Sitzgelegenheiten, Unterschlupfmöglichkeiten oder auch einem Wintergarten mit überdachtem Zugang nach draußen sorgen die Halter für eine Strukturierung des Stalls.

Was sind die Puten-Eckwerte?

Eine Besonderheit in der Putenhaltung sind die Puten-Eckwerte, eine freiwillige Selbstverpflichtung der Branche, die für jeden Putenhalter in Deutschland gilt. Diese „Bundeseinheitlichen Eckwerte für eine freiwillige Vereinbarung zur Haltung von Mastputen“ geben einen rechtsähnlichen Rahmen für die gesamte Putenhaltung in Deutschland vor und legen damit fest, wie die Tiere gehalten werden müssen.

Wichtige Bestandteile der Eckwerte sind Vorgaben zu Beschäftigungsmaterialien und Stallstrukturierung. Aber auch die fundierte Sachkunde der Tierbetreuer ist für das Wohlbefinden der Tiere unerlässlich. Deshalb nehmen Putenhalter mindestens einmal im Jahr an Fortbildungsmaßnahmen teil.

Was ist das Gesundheitskontrollprogramm?

Mit den Puten-Eckwerten wurde außerdem das Gesundheitskontrollprogramm eingeführt. Das bedeutet: In der Schlachterei werden die Schlachtkörper der Puten mit Hilfe von moderner Technik detailliert untersucht. Durch den genauen Blick auf verschiedene Indikatoren – zum Beispiel die Gesundheit der Fußballen oder Veränderungen an der Brusthaut der Puten – lassen sich so Rückschlüsse auf den Gesundheitsstatus und das Wohlbefinden der Tiere während der Haltung im Stall ziehen. Gibt es hier Auffälligkeiten, werden die Halter umgehend informiert. So haben sie die Chance, gemeinsam mit dem bestandsbetreuenden Tierarzt einen Gesundheitsplan zu erarbeiten und umzusetzen, der dann nachfolgenden Herden zugute kommt.

Das Gesundheitskontrollprogramm sorgt so für einen kontinuierlichen Austausch zwischen Schlachthof und Putenstall und damit auch für kontinuierliche Verbesserungen in der Putenhaltung.

Schnabelkürzen in der Putenhaltung

Das Schnabelkürzen in der Putenhaltung sorgt seit geraumer Zeit für Diskussionen. Um das Federpicken in Putenbeständen zu verhindern, ist es jedoch eine bisher notwendige und wirksame Maßnahme. Das Federpicken ist ein Verhalten, dessen Ursache bisher nicht eindeutig erforscht ist. Dieses Phänomen tritt sowohl in großen und kleinen Beständen als auch in der Natur auf.

Was ist die Besatzdichte?

Wenn von Besatzdichte die Rede ist, so ist nicht die Zahl der Tiere entscheidend, sondern das Gewicht, das die Tiere bis zur Schlachtreife erreichen. Weil es aber für die Besatzdichte in der Putenhaltung keine konkreten Rechtsvorschriften gibt, wurde dieser Wert ebenfalls durch die Puten-Eckwerte definiert. Für die Putenhähne gilt demzufolge eine maximale Besatzdichte von 50 kg/m2, für Putenhennen eine Besatzdichte von 45 kg/m2. Auch bei den Puten gilt: Die maximal zulässige Besatzdichte wird immer erst gegen Ende der Haltung erreicht.

Welche Rolle spielen die Halter?

Zwei Mal täglich kontrolliert der Halter seine Herde und achtet dabei auf das Wohlergehen der Tiere ebenso wie auf Erscheinungsbild und Verhalten. Und damit es den Tieren rund um die Uhr an nichts fehlt, kommt im Putenstall natürlich auch moderne Technik zum Einsatz. Per Computer werden regelmäßig Luftaustausch, Licht, Temperatur und Futterverbrauch überprüft.

Was passiert, wenn die Tiere ihr Schlachtgewicht erreicht haben?

Haben die Tiere ihr Schlachtgewicht erreicht, verlassen sie den Stall Richtung Schlachthof. Beim Ausstallen wird der Stall oft mit blauem Licht beleuchtet. Das beruhigt die Tiere, sie bleiben instinktiv ruhig sitzen. Mehr zu Transport und Schlachtung lesen Sie hier.

Die „Massentierhaltung“ steht immer wieder in der öffentlichen Kritik. Aber was genau ist damit eigentlich gemeint? Eine klare Definition des Begriffs gibt es nicht. Oftmals wird „Massentierhaltung“ einfach mit der konventionellen Tierhaltung gleichgesetzt – als vermeintlich schlechteres Gegenstück zu ökologischen oder extensiven Haltungsformen.

Hähnchen an der TränkeWas ist wichtig für die Tiere?

Uns Geflügelhaltern ist wichtig, dass es unseren Tieren sichtbar gut geht. Für das Tierwohl ist jedoch nicht, wie der Begriff „Massentierhaltung“ suggeriert, allein die Anzahl der Tiere im Stall entscheidend. Es gibt eine Vielzahl anderer Faktoren, die das Wohlbefinden der Tiere im Stall gewährleisten: Futter, Einstreu, Stallklima und insbesondere die Sachkunde und das Engagement des Geflügelhalters. Gut ausgebildete und erfahrene Halter tragen dafür Sorge, dass die Tiere unabhängig von der Größe der Herde gesund aufwachsen, sie stets Zugang zu Futter und Tränkwasser haben und ihren natürlichen Verhaltensweisen nachgehen können.

Der bewusst negative Begriff der „Masse“ lässt dabei fälschlicherweise außer Acht, dass einer großen Anzahl von Tieren auch eine entsprechend große Stallfläche zur Verfügung steht – in vielen Betrieben sind dies oftmals mehrere tausend Quadratmeter. Denn: Käfige gibt es in der Haltung von Hähnchen, Puten und Enten in Deutschland nicht. Die Tiere werden immer in Bodenhaltung aufgezogen und können sich in den Ställen frei bewegen. Das Tierwohl definiert sich also über viele verschiedene Faktoren und nicht allein über die Anzahl der Tiere im Stall.

Diese Sichtweise teilen wir übrigens mit dem Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik. Dieser hat in einem Gutachten festgestellt, dass es für die Frage des konkreten Wohlbefindens der Tiere nicht primär auf die Zahl der Tiere im Stall ankommt, sondern auf die Kompetenz des Halters. Denn klar ist: Die Betriebsgröße hat gegenüber anderen Einflussfaktoren (wie der Managementqualität) einen vergleichsweise geringen Einfluss auf das Tierwohl.

Die strengen Vorgaben und Gesetze, die in Deutschland gelten, begrüßen wir ausdrücklich. Und setzen uns auch für ein staatliches Tierwohl-Label ein.

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Internationaler Vergleich Deutschland hat höchste Standards

Deutschland hat höchste Standards beim Geflügelfleisch. Das spiegelt sich im direkten internationalen Vergleich wider. Woran das besonders zu erkennen ist, zeigt eine Studie, die das Handelsblatt Research Institute herausgegeben hat.

Was zeigt die Analyse?

Die Analyse der Vergleichsländer zeigt: Die konventionelle Geflügelhaltung ist globaler Standard – es gibt jedoch erhebliche Unterschiede bei Erzeugungsstandards und gesetzlichen Regelungen.

Die EU hat für Geflügel die höchsten Erzeugungsstandards der Welt. Im Ländervergleich nimmt Deutschland dabei – auch innerhalb der EU – eine Spitzenposition ein, gemeinsam mit den beiden deutlich kleineren Erzeugerländern Österreich und Schweden.

Wie viel Geflügelfleisch wird in Deutschland erzeugt?

Mit mittlerweile knapp 1,8 Mio. Tonnen Bruttoeigenerzeugung (2015) ist Deutschland aktuell das zweitgrößte Erzeugerland von Geflügelfleisch in der EU. Im Vergleich zu den großen Exportländern USA und Brasilien fällt die deutsche Erzeugung jedoch weltweit kaum ins Gewicht.

Standards im Vergleich

Welche Besonderheiten gibt es bei der Hähnchenhaltung?

Das nationale Recht geht in Deutschland noch über die bereits hohen EU-Standards hinaus. Das betrifft Indikatoren in den Bereichen Tierwohl, Verbraucher- und Umweltschutz.

Welche Besonderheiten gibt es bei der Putenhaltung?

Aufgrund fehlender EU-Regelungen gibt es sehr große Unterschiede. Durch die freiwillige Selbstverpflichtung der Branche (Puten-Eckwerte) sind die deutschen Standards in der Putenfleischerzeugung international führend.

Welche Unterschiede gibt es bei der Vergabe von Antibiotika?

Antibiotika sind nur in der EU als Wachstumsbeschleuniger verboten. Eine gesetzliche Meldepflicht für Antibiotika-Verschreibungen wie in Deutschland existiert in Frankreich, Spanien und den Niederlanden nicht.

Welche Auswirkungen hat eine staatliche Regulierung?

Mahnendes Beispiel Österreich: Eine hohe Regulierung führt dort zu hohen Preisen für heimisches Geflügelfleisch. Der Anteil preiswerter Importe steigt überproportional, was die österreichische Erzeugung zunehmend aus dem Markt drängt.

Fazit: Höchste Standards

Deutschland sowie die kleineren Erzeugerländer Schweden und Österreich haben höhere Standards, als die Europäische Union vorschreibt. Die Regelungen der anderen EU-Staaten entsprechen der bereits hohen EU-Benchmark. Die USA, Russland und Brasilien variieren in ihren Standards stark, liegen aber insgesamt unter denen der EU. Japan, China und Indien regulieren ihre Geflügelhaltung kaum.

Die Studiendaten auf einen Blick:

Herausgeber: Handelsblatt Research Institute

Forschungsgegenstand: Internationaler Vergleich von Standards in der Erzeugung von Geflügelfleisch

Themengebiete: Tierwohl, Verbraucherschutz, Umweltschutz

Vergleichsländer: USA, Japan, Brasilien, Russland, Indien, China, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Niederlande, Schweden, Polen, Belgien, Österreich

Erhebungszeitraum: November 2015

Die Studie zum Download finden Sie hier.

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Meier

was muss ich tun, damit ich mit meinem Geflügelgenuss nicht mitschuldig werde am Hähnchenschreddern oder am Schnäbelkürzen?

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